Studenten der TU München haben ein globales, schnelles, effektives und kostengünstiges Infrarot-Satelliten-System zur Waldbrand-Prävention und -Beobachtung aus dem All entwickelt. Ohne die Technologie des Münchner Start-ups OroraTech arbeiten etwa Feuerwehren in Kanada nicht mehr. Das Warn-, Analyse- und Prognose-Tool sieht mit Wärmebildern aus der Erdumlaufbahn großflächig das, was Rettungskräften allein schon wegen starker Rauchentwicklungen vorenthalten bleibt. In Zeiten des Klimawandels und dramatisch zunehmenden Waldbränden haben die Gründer einen Punkt. Parallel haben sie eine Satelliten-Plattform gebaut, die die geplanten eigenen 100 Flugkörper befördern, aber auch anderen Start-ups und Forschungseinrichtungen angeboten werden soll. Ende November 2025 ist GENA OT mit mehreren Missionen erfolgreich mit SpaceX in die Umlaufbahn gebracht worden, womit das NewSpace-Start-up einen wichtigen Meilenstein gesetzt hat. Nun hat OroraTech auch den Dual-Use-Einsatz mit Anwendungen in der Verteidigung und Sicherheit für sich entdeckt.
München, 22. Dezember 2025, aktualisiert am 17. Marz 2026 - Von Rüdiger Köhn
Im Sommer 2023 brachen im kanadischen Bundestaat Québec mit einem Schlag 150 Waldbrände aus - auf einer Fläche so groß wie Finnland. Die 60 Flugzeuge der Brandbekämpfungsbehörde der Bundesstaates - 30 zur Beobachtung, 30 zum Löschen - waren schnell überfordert. Dabei waren die Rettungskräfte vorgewarnt, kündigten vorliegende Daten doch Trockengewitter an. Die massiven Brände verursachten so viel Rauch, dass die Beobachtungsflugzeuge nicht mehr fliegen und die Gefahrenlage nicht mehr bewertet werden konnten.
Die Katastrophe hatte für Québec historsche Ausmaße, so wie sie für OroraTech einschneidend gewesen ist. „Bis dahin waren wir für die Feuerwehr ein ´Nice to Have´, als eine von vielen Informationsquellen“, sagt Thomas Grübler, Mit-Initiator des Anfang 2018 gegründeten Münchener Start-ups. „Aber seitdem sind wir zum integralen Bestandteil der Aktionskette geworden.“ Dank des Satellitennetzwerkes in der niedrigen Umlaufbahn der Erde konnte die Infrarotthermal-Beobachtung durch die dicken Qualmwolken hindurch die akute Situation analysieren und den "blind" gewordenen Rettungskräften am Boden entscheidende Informationen liefern.

Thomas Grübler Foto Rüdiger Köhn
Die dortige Waldbrandbehörde ist schon seit 2021 Kunde von OroraTech, als die Münchener drei Jahre nach Gründung noch nicht so bekannt waren. Das damals junge Unternehmen war zu jener Zeit - eben nett zu haben - allenfalls eine Ergänzung zu anderen Informationsquellen wie Beobachtungen aus der Luft oder aus dem All von wissenschaftlichen oder meteorologischen Satelliten. Das Desaster brachte einen Paradigmenwechsel für das Start-up, das mit hochauflösenden Wärmebildern und mit Algorithmen aufbereitete Daten aus dem All eine disruptive Technologie zur Waldbrand-Bekämpfung entwickelt hat. „Gerade bei solchen Ereignissen und Katastrophen, gerade bei Kunden wie Feuerwehren basiert alles auf Vertrauen“, sagt Elektrotechnik-Ingenieur Grübler, 34 Jahre. „Was 2023 passierte, ist für uns die Nagelprobe gewesen: Wir haben bewiesen, dass unser System zuverlässig funktioniert.“
Prävention - Detektion - Schadenanalysen (Post-Fire-Analysis) - Prognosen. Vier Studenten, die ein Spin-off der Technischen Universität München (TUM) gründeten, haben sich vorgenommen, über ein Netz von Infrarot-Kameras ein möglichst globales Lagebild von Wildfeuern aus dem All zu liefern; schneller, genauer, zuverlässiger, günstiger und umfassender als bisherige Technologien. Schon vor acht Jahren hatten sie damit einen Punkt: Überall auf der Welt haben Feuer wegen des Klimawandels dramatisch zugenommen; heute vernichten Waldbrände doppelt so viel Fläche als noch vor zwanzig Jahren; im Amazonas-Gebiet ist die Brandgefahr um das 20- bis 30-Fache gestiegen. Schon innerhalb der ersten 90 Minuten kann sich die Größe eines Feuers verdreifachen. Aufgrund zu geringer Abdeckung erkennen konventionelle Warnsysteme diese oftmals erst lange nach deren Ausbruch und liefern nur ungenaue Informationen.

Einer von einmal 100 geplanten Feuerspäher von OroraTech. Fotos OroraTech
Bislang hat OroraTech zehn eigene Satelliten mit den Hochtechnologie-Kameras in die Erdumlaufbahn geschossen. Diese Nano- oder Kleinsatelliten wiegen jeweils knapp 300 Kilogramm und sind wesentlich günstiger als etwa ein 2,5 Tonnen schwerer Infrarot-Wetterbeobachter der NASA, der Milliarden kostet und weniger präzise Informationen liefern kann. Und was konventionelle Radarsatelliten nicht können: Das System der Münchner kann die Erdoberfläche in einer riesigen Breite von 400 Kilometern beobachten. Dennoch greift das Start-up auch auf andere Späher aus dem All zurück, um deren Informationen für eigene Analysen zu nutzen. So können die Münchener aktuell auf 35 Satelliten-Quellen zurückgreifen. Ohne Künstliche Intelligenz gelingt die zuverlässige und schnelle Datenanalyse nicht. Sie ermöglicht es, Waldfeuer zu erkennen und deren Verlauf sogar bis zu 24-Stunden vorab vorherzusagen.
Weltweit überwacht dieses Netzwerk eine Fläche von mehr als 500 Millionen Hektar. Die Zahl der Kunden - angefangen hat es in Australien, Brasilien und Chile - ist inzwischen auf über 800 gestiegen. Dazu gehören die drei größten Zellstoff-Hersteller, Betreiber riesiger über viele Länder verteilter Forstbetriebe mit einer Waldfläche der Größe Belgiens. Deutlich mehr als 10 Millionen Euro Umsatz macht OroraTech dieses Jahr. „In drei bis fünf Jahren visieren wir 100 Millionen Euro an“, sagt Axel Roenneke, 61, Chief Commercial Officer und Haudegen in der Luft-und Raumfahrt. „Bereits Ende des nächsten Jahres wollen wir die Gewinnschwelle erreicht haben“, kündigt er an.

Axel Roenneke, Chief Commercial Officer, seit April 2023 dabei Foto Rüdiger Köhn
Das mag sich mit Blick auf die Gründung vor acht Jahren lang anhören, ist es aber nicht. OroraTech gehört zu den Deeptech-Start-ups in der Raumfahrt, für die ganz andere Zeithorizonte in Sachen Entwicklung, Skalierung und Profitabilität gelten, eine Serienreife meist nach frühestens zehn Jahren zu erwarten ist. Isar Aerospace, The Exploration Company, Marble Imaging, Dcubed, Talos und viele andere aufstrebende New-Space-Gründungen - sie verlangen Investoren Geduld ab, die einen besonders langen Anlagehorizont haben müssen und die Bewertung des Start-ups nach Meilensteinen bemessen.
Am 28. November 2025 ist für das Münchner Start-up einer dieser - bislang wohl wichtigsten - Meilensteine gelungen, der den Weg zur Skalierung ebnet. Auf einer Falcon 9 von SpaceX ist die Nanosatelliten-Plattform GENA OT (GEneric flexible NAnosatellite von OroraTech) ins All geschossen worden. Es handelt sich um ein standardisiertes, kommerzielles System für neue Technolgien und Experimente. Wie beim Fahrgestell eines Autos kann die Plattform flexibel mit unterschiedlichen Aufbauten und Kleinsatelliten versehen werden.

GENA OT kann verschiedenste Nutzlasten wie Kameras oder Sensorsysteme für Kunden transportieren, die Anwendungen im Orbit nutzen oder erproben, ohne eigene Satelliten bauen zu müssen. Als modulares und flexibel einsetzbares Mini-Labor im All ermöglicht dieser kompakte „Forschungssatellit“ Universitäten, Forschungseinrichtungen und Start-ups eine Infrastruktur, die schnell kostengünstig wissenschaftliche Experimente durchführen wollen. So ist mit dem ersten Flug das Tierortungssystems ICARUS der Max-Planck-Gesellschaft an Bord gewesen, entwickelt vom Münchner Start-up Talos. (siehe auch „Talos: Wildtieren auf der Spur - aus dem All" https://www.passion4tech.de/blog/talos-wildtieren-auf-der-spur-aus-dem-all-kopieren)
Um das Angebot für Drittkunden ist es OroraTech zunächst gar nicht gegangen. Die Idee von GENA OT reifte schon mit der Gründung 2018. Das Team um Thomas Grübler fokussierte auf die Mission der lückenlosen Wildfeuer-Detektion aus dem All, dachte jedoch auch strategisch in größeren Dimensionen. An der TUM tüftelten sie gleichzeitig an einer Plattform, die die eigenen Nano-Satelliten in den Orbit befördern soll. „Als wir gestartet sind, haben wir noch keine große Auswahl bei den Providern gehabt, bei dem unsere Kameras mitfliegen konnten“, erinnert sich Grübler. Ein Handicap. Denn: „Wir haben von Anfang an geplant, etwa 100 Satelliten zu bauen.“ Die sollen mit der nun beginnenden Skalierung in den nächsten Jahren positioniert werden, um flächendeckend und möglichst nah an Echtzeit die Erde beobachten.
„Bei dieser Stückzahl lohnt es sich finanziell, die Plattform selbst zu bauen", sagt er. OroraTech ging es darum, Handlungsspielraum zu haben und unabhängig zu sein. Man reichte einen Entwurf bei der deutschen Raumfahrtagentur Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein - und überzeugte. Das DLR hat mit Fördermitteln des Bundes das Projekt über die vielen Jahre unterstützt.

Seit dem 28.Novemer im All: die Forschungsplattfrom GENA OT Foto OroraTech
Vor der gleichen Herausforderung und Anforderung würden alle Entwickler von Satellitensystemen stehen. „Wenn wir zusätzlich zu unserer eigenen Flotte auch Satelliten als Plattform für Nutzlasten Dritter anbieten, können wir insgesamt höhere Stückzahlen und sehr kosteneffektiv bauen.“ Das bringt einen wichtigen Zusatzeffekt. „Mit dem GENA-OT-Programm finanzieren wir auch die Entwicklung der Satelliten ohne Investorengelder."
Axel Roenneke hebt hervor: „Wir ändern damit nicht unser Kern-Geschäftsmodell, sondern kofinanzieren eher unsere Forschungs- und Entwicklungskosten.“ Er sieht GENA OT als integralen Bestandteil des gesamten OroraTech-Vorhabens. Thomas Grübler will dennoch neue Geschäftschancen nicht ausschließen: „Anfangs gedacht als ein Instrument zur Mitfinanzierung, könnten sich durchaus auch andere kommerzielle Möglichkeiten ergeben.“ Wie Thomas Grübler im übrigen auch neuerdings mit dem Einsatz der Technologie in der Verteidigung und in der Sicherheit ein neues Betätigungsfeld ergibt und angesichts der geopolitischen Lage für ihn auch opprtun erscheint, zumal das System nahezu eins zu eins auch dort Vorteile bringen kann (siehe unten: „Dual Use: Schiffe und Raketen tracken").

Wärmebild-Kameras, die durch den dicksten Qualm blicken
Der Start der GENA-OT-Mission ist zum wichtigen und richtigen Zeitpunkt gekommen. Denn damit ist zugleich der Weg für die Implementierung des weltweit ersten staatlichen Systems zur Waldbrand-Bekämpfung für Griechenland geebnet, ein komplexes und umfassendes Projekt, das es so noch nicht gegeben hat und über das im kanadischen Québec hinausgeht.
Im März nächsten Jahres nimmt es die Arbeit auf. Der griechische Staat will als besonders gefährdete Waldbrand-Region die Beobachtung unter seiner Obhut und die Regie darüber haben. Das Prinzip: OroraTech baut nicht eigens für den vor eineinhalb Jahren erhaltenen griechischen Auftrag Satelliten. Ohnehin ist geplant gewesen, vier weitere davon im Weltraum zu platzieren. Die werden Bestandteil der OroraTech-Konstellation, stehen den Griechen aber zur besonderen Verfügung, können diese über deren Einsatz entscheiden. Die Münchner nutzen sie indes ebenso für das eigene Netzwerk.

Feuer auf Rhodos, Verlauf und Prognose Fotos OroraTech
Axel Roenneke spricht bei diesem Paket von „Mission-as a-Service“ (MaaS). Daneben gibt es Software-as-a-Service (SaaS) mit einer Web-Plattform, die Daten über Brandlage und Prognosen liefert. Data-as-a-Service (DaaS) wertet Feuerverläufe aus und erstellt Schaden-Analysen (Post Fire Analysis). Die von den Münchnern angebotenen Systeme fallen mit bis zu einem Zehntel der Kosten im Vergleich zu konventionellen Methoden erheblich günstiger aus. Dennoch erreichen die aufwendigen MaaS-Angebote zweistellige Millionensummen, SaaS immer noch sechsstellige Beträge. Griechenland und Quebec sind gegenwärtg die wichtigsten Kunden.
Feuer, Umwelt, Universum, Unternehmertum - das sind Themen, die Thomas Grübler immer umgetrieben haben. Der in Villach geborene Österreicher hat in neun Monaten Vollzeit seinen Zivildienst bei der Feuerwehr geleistet, war aber auch schon zuvor ehrenamtlich bei der freiwilligen Feuerwehr sechs Jahre engagiert. An der TUM hat der Elektrotechnik- und Informationstechnik-Student mit einem Team einen Satelliten gebaut. Raumfahrtprojekte hätten ihn immer interessiert. So auch sein Kumpel Rupert Amann, 32, der ebenfalls Elektrotechnik und Informationstechnik studiert hat. Florian Mauracher, 34 und Informationstechniker, arbeitete mit ihnen beim Bau des Satelliten zusammen, der tatsächlich ins All flog, mittlerweile aber verglüht sein dürfte.

Rupert Amman
„Wir hatten eigentlich schon lange den Wunsch gehegt, ein Start-up zu gründen“, sagt Grübler. Raumfahrtingenieur Martin Langer, 39, ist damals der Leiter dieses Satellitenprojektes gewesen, also so etwas wie ihr damaliger Chef. Er ist erst später in Vollzeit zu OroraTech gestoßen, da er zunächst die Doktorarbeit fertigstellen wollte. Im Oktober 2023 hat Langer den Posten des Vorstandsvorsitzenden (CEO) von Grübler übernommen, der sich als Chief Strategy Officer auf strategische Themen konzentriert.

Florian Mauracher
Das spannendste an dem Satellitenprojekt seien das Netzwerken und die Konferenzen gewesen, wo sie ihr Projekt präsentierten, erinnert sich Grübler. „Mich fasziniert an der Raumfahrt nicht in erster Linie der Bau von Satelliten, sondern die im Weltraum erfassten Daten und Beobachtungen am Boden auszuwerten und konkret anzuwenden.“ Etwa für die Waldbrand-Bekämpfung. „Und wir hatten zu der Zeit gesehen, dass es keinen kommerziellen Anbieter von Thermal-Infrarot gibt.“ Das Team war überzeugt, ein solches Beobachtungssystem aus dem All kann Menschenleben retten, Schaden verhindern und ist für Energieversorger, Waldbesitzer oder Versicherungen hochinteressant. Ein Jahr lang feilten sie am Technik- und Geschäftskonzept, bevor es dann zur Gründung gekommen ist.

Martin Langer
Fehlte noch Björn Stoffers, 42, der dem ganzen einen wirtschaftlichen Schliff geben sollte. Als fünfter Gründer ist er mit seinem Master in International Economy und Policy Consulting der Uni Magdeburg Anfang 2018 zugestoßen, den das Team auf einer Konferenz kennengelernt hat. Stoffers ist als Mitgründer heute noch Anteilseigner von OroraTech und beratend aktiv, aber nicht mehr im operativ Geschäft tätig. Er hat sich als Berater selbstständig gemacht, unterstützt unter anderem im Umfeld der TUM und der Gründer-Schmiede UnternehmerTUM andere Deeptech Start-ups. Axel Roenneke gehört nicht zu den Gründern. Der Raumfahrtingenieur fing im April 2023 bei OroraTech an und bringt als langjähriger Aerospace-Manager mit Stationen bei Airbus Defence and Space sowie beim Flugzeugtriebwerk-Hersteller Rolls Royce umfassende Kenntnisse in der Raumfahrt-Branche mit. Unter ihm sind die ersten großen Verträge, etwa mit Griechenland, eingefädelt worden.
Die Münchner befinden sich derzeit in der Hochlaufphase. Die Belegschaft wird von einstmals 30 auf bald 200 Mitarbeiter wachsen. Nicht nur der selbst generierte Umsatz und die anvisierte Gewinnschwelle Ende 2026 helfen bei der Expansion. Im Mai dieses Jahres wurde eine 2024 gestartete Serie-B-Finanzierung noch einmal auf 37 Millionen Euro ausgeweitet und abgeschlossen; angeführt von BNP Paribas Solar Impluse Venture Fund unter Beteiligung von Rabo Ventures, Bayern Kapital sowie dem European Circular Bioeconomy Fund (ECBF).

Aktuelle Bestandsaufnahme, daraus die Prognose abgeleitet
Mit den auf mehrere Jahre ausgelegten MaaS-Aufträgen aus Québec und Griechenland im Volumen von zusammen 60 Millionen Euro wird OroraTech damit über stattliche rund 100 Millionen Euro Mittel verfügen, um das Satelliten-Netzwerk zu erweitern. Die sind weitgehend verplant. „Wir können den Ausbau der Infrastruktur jetzt beschleunigt mit einer deutlich höheren Anzahl an Kameras vorantreiben, damit zügiger mehr Daten bekommen und das System noch zuverlässiger machen“, sagt Axel Roenneke. Bei Thomas Grübler klingt immer wieder die Faszination für das Thema und das Unternehmen OroraTech an: „Es ist total spannend, wie unsere Firma skaliert“, sagt er. „Vom ersten kleinen Investment auf nun 100 Millionen Euro an Investment und Aufträgen, die wir zu verwalten haben und die uns all unsere Vorhaben ermöglichen.“
Neben dem Angebot der Plattform GENA OT für Dritte hat sich mit Blick auf die geopolitische Lage nun auch die Aufklärung in der Verteidigung und Sicherheit als weiteren Einsatzbereich eröffnet. Entsprechende Ideen sind entworfen, erste Tests erfolgt. Für Thomas Grübler ist das ein weiterer Beleg, dass die OroraTech-Technologie mehr als ein „Nice to have" ist und von operativer Relevanz ist, die deutlichen Mehrwert bieten kann - auch im militärischen Sektor. Die Wärmebild-Erkennung habe ein großes Potential für den Dual-Use-Einsatz. Der war anfangs überhaupt nicht angedacht, waren alle Bemühungen auf den Aufbau von OroraTech als Brand- und Klimaschützer konzentriert.
Doch zu ähnlich sind Anwendungen und Methoden auch im militärischen Sektor - besonders wenn die Bundesregierung bis 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro in den Aufbau einer Sicherheitsarchitektur im Weltraum investieren will und der eine oder andere Auftrag für die Münchener abfallen könnte. Der betreibt schließlich das größte Netzwerk an Infrarot-Satelliten. Offen gesprochen hat Grübler über derlei Absichten erstmals am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar, wo er sein Start-up mit den neuen Ideen vertreten hat, die Vorbereitungen dafür also schon länger gelaufen sind.
Mit der Technologie können thermische Anomalien von Objekten am Boden entdeckt und analysiert werden; global, flächendeckend, schnell, in Echtzeit.Temperatur-Unterschiede geben Hinweise auf kritische oder verdächtige Akitvitäten, detektiert auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Besonders sinnvoll ist es, diese Informationen mit anderen Aufklärungssystemen in Kooperation zu teilen und auszuwerten. Mit Optik und Radar ausgestattete Satelliten haben eine deutlich höhere Auflösung als die Wärmebild-Technik, aber eben ein sehr viel kleineres Sichtfeld und Beobachtungsgebiet, womit unter Umständen verdächtige Objekt gar nicht erkannt werden. OroraTech kann indes in einer Breite von 400 Kilometer riesige Flächen scannen.
Denkbar ist der Einsatz eines solchen Frühwarnsystems im maritimen Bereich. Schiffe könnten identifiziert werden, die etwa ihre Transponder- und Ortungsfunktionen deaktiviert haben, um nicht erkannt zu werden. Da könnten beispielsweise die Bewegungen einer Schattenflotte des russischen Agressors Wladimir Putin unter einer Wärmebild-Kamera aus dem All auffallen; oder - hochaktuell - Auffälligkeiten von maritimen Fahrzeugen in und um die Straße von Hormuz. Das Netzwerk der OroraTech-Orbiter könnte Schiffe zehn Mal am Tag über große Regionen auf den Weltrmeeren verfolgen, nennt Grübler ein Beipsiel.
Raketen lassen sich mit ihrer Hitze-Signatur in Echtzeit zuverlässig verfolgen und damit wichtige Unterstützung für andere Aufklärungssysteme sein. Im Sicherheitsbereich kann zum Schutz kritischer Infrastruktur beigetragen werden, wenn etwa Infrarot-Kameras aus dem All Ungewöhnliches auf Brücken, im Energiebereich mit Verteiler- oder Umspannanlagen oder in großen Telekommuniationseinrichtungen feststellt.