München als internationale Schmiede für Smart Cities


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28 Jun
28Jun

Ein vergleichbares Konzept gibt es bislang noch nicht: Start-Ups, etablierte Unternehmen, Wissenschaft, Technolgieexperten, Venture Capital Fonds und - als ganz besondere Beimischung - die Stadt München haben ein interdisziplinäres Zentrum für die Entwicklung von Konzepten für intelligente Städte eröffnet. Das Gründerzentrum UnternehmerTUM als Nukleus dieses besonderen Netzwerkes beschreitet damit einen neuen Weg.

28. Juni 2021

Bisher ist es in dem Verbund von Universitäten, Gründerzentrum UnternehmerTUM, Kapitalgebern und etabierten Unternehmen darum gegangen, technologische Entwicklungen und Neugründungen als solche zu fördern. Mit dem am Montag eröffneten Munich Urban Colab betreten die Initatoren der emsigen Start-Up-Szene in der bayerischen Landeshauptstadt Neuland. Es befasst sich mit einem Schwerpunktthema, dass in den nächsten Jahrzehnten eine große Rolle spielen wird - nicht nur in München, in Bayern oder in Deutschland, sondern in der ganzen Welt.

     Für 30 Millionen Euro errichtet: Munich Urban Colab                                          Fotos UnternehmerTUM

Die Landeshauptstadt München, die Technische Universität München (TUM) sowie die mit ihnen eng verbundene UnternehmerTUM wollen die Isar-Metropole zu einem Technologiezentrum rund um den Ausbau intelligenter, vernetzter Großstädte (Smart City) ausbauen. Das Munich Urban Colab soll ein Schmelztiegel werden, in dem Start-Ups, Unternehmen, Wissenschaft, Kreative und Kunstschaffende Ideen für die Stadt der Zukunft entwickeln.

Das Besondere: Eng eingebunden ist die Stadtverwaltung als aktiver Partner. Ebenso wird die Öffentlichkeit bewusst  in das Modell einbezogen, für die das nach zwei Jahren Bauzeit eröffnete transparente Gebäude mit großen Glasfassaden und mit 11 000 Quadratmetern Nutzfläche in zentraler Lage zugänglich ist. Im Projekt geht es um Bauen, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Mobilität in Städten. Lösungen für urbanes Lebens und Wohnen sowie für die Nutzung des öffentlichen Raums sollen gefunden werden – alles unter dem Aspekt einer nachhaltigen Lebensweise, die auch ökonomisches Potential birgt.

Colab ist zugleich als ein Beitrag für die EU-Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ konzipiert. Das will mit Design, Nachhaltigkeit, Inklusion und Innovationen Teil des europäischen „Grünen Deals“ werden, der Klimaneutralität in Europa bir zum Jahr 2050 zum Ziel hat.

Nach Angaben der Initiatoren ist das Munich Urban Colab „ein international einzigartiger Ort für Smart-City-Lösungen“. Das gebe es in dieser Form bislang nicht. Es besteht aus einem umfangreichen Netzwerk, wie es sonst selten zur Verfügung steht und die unterschiedlichsten Welten miteinander verbindet. UnternehmerTUM fördert junge Unternehmen; hinter ihm steht die BMW-Erbin Susanne Klatten, die Financier und Aufsichtsratsvorsitzende der 2002 gegründeten, gemeinnützigen und eng mit der TU München kooperierenden Organisation ist. UnternehmerTUM fördert im Jahr rund 80 technologieorientierte Ausgründungen.

Genauso gehören dazu Experten aus Technologie und Wissenschaft. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich zahlreiche Fakultäten vor allem der TU München, aber auch der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sowie der Hochschule Münden (Fachhochschule). Etablierte Unternehmen wie BMW, Siemens, SAP und Infineon haben ebenso Zugang wie Finanzinvestoren, insbesondere Risikokapitalgeber für Gründungen in Frühphasen (Venture Capital).

Für Susanne Klatten soll dort das interdisziplinäre Miteinander gelebt werden. „Stadt, Forschung, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger sind vereint“, sagte sie am Montag. „Die Architektur des Gebäudes strahlt bewusst Transparenz aus. Wir laden alle Münchnerinnen und Münchner ein, uns zu besuchen; im Café etwas zu trinken, sich die Werkstätten anzuschauen.“ Mitten in der Stadt würden Prototypen gebaut. „Lebenswerte, nachhaltige Städte brauchen Konzepte, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger beteiligen können.“

Erstmals hat sich das Gründerzentrum mit „Smart City“ auf ein Schwerpunktthema in der Förderung und der interdisziplinären Zusammenarbeit konzentriert. Elemente, wie sie sonst in der engen Zusammenarbeit mit der Gründerszene im Hochschul-Umfeld seit vielen Jahren genutzt werden, finden sich auch im Urban Colab. Neben normalen Büros, Veranstaltungs- und Seminarräumen ähnlich einem Campus gibt es genauso Coworking-Spaces, aber auch Prototypen-Werkstätten nach dem Motto "Maker Spaces", wie sie Studenten der TU München in Garching für ihre Tüftel- und Forschungsarbeit zur Verfügung stehen. Natürlich sind auch ein Café, zwei Wintergärten sowie ein Sport- und Fitnesszentrum obligatorisch.

Die Baukosten von 30 Millionen Euro hat UnternehmerTUM übernommen, die Landeshauptstadt stellte das Grundstück zur Verfügung. „Der Standort München mit seiner besonderen Hochschul- und Unternehmenslandschaft ist wie geschaffen für einen derartigen Innovationsort", sagte Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München. "München ist technologieorientiert, verfügt über eine lebendige Gründungsszene und bietet einen Charme, der seinesgleichen sucht."

Die Beiträge der Stadt sind vielfältig. Sie bietet Nutzern, Entwicklern und Tüftlern den direkten Zugang zur, wie Reiter es formulierte, "gesamten Stadtfamilie". Dazu gehören die Stadtwerke, die Verkehrsgesellschaft MVG sowie andere Beteiligungsgesellschaften. Sie ist mit eigenen Büros und Co-Working-Plätzen im Colab vertreten, in denen Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Stadtverwaltung wird eigene Herausforderungen, Aufgaben und Projekt einbringen und seinerseits das Netzwerk nutzen, um mit innovativen Ansätzen technologische sowie umwelt- und sozialverträgliche Lösungskonzepte zu erarbeiten.Teil des Urban Colab ist das Munich City Lab des Referats für Arbeit und Wirtschaft, hinter der eine innovationsgetriebene Wirtschaftsförderung steht; wie auch eine Anlaufstelle des InnovationLabs sowie die WerkSTADT des IT-Referats.

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