Horyzn: Volkswagen wird zum Partner


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23 Aug
23Aug

Die Studenteninitiative der TU München findet einen prominenten und wichtigen Partner für ihre Pläne, eine medizinische Rettungsdrohne zu entwickeln. Für den VW-Konzern, mit dem sich eine Kooperation anbahnt, gehört zum vernetzten Auto auch Sicherheit. Das Bayerische Rote Kreuz ist ebenfalls von der Partie. Für Horyzn ist das nicht nur Anerkennung ihrer Idee, sondern auch Bestätigung für die Realisierbarkeit des Konzeptes. Und die Gruppe erhöht ihre Schlagkraft, indem sie sich mit einem anderen Studentenprojekt zusammenschließt  - mit TUM Hyperloop.

23. August 2021

Es sind mehr als verwegene Fantastereien gewesen, als sich 58 Stundenten aus 21 Nationen von acht Fakultäten der TU München im Frühjahr das Konzept für eine Rettungsdrohne ausgedacht haben. Die soll schnell einen Defibrilator zu einem Kranken mit Herz-Kreislauf-Stillstand transportieren. Das Projekt stößt nur wenige Monate später auf prominentes Interesse. Der Volkswagen-Konzern hat ein Auge auf „Mission Pulse“ geworfen, wie die TUM-Initiative Horyzn ihr Konzept mit Mission nennt. Der Wolfsburger Autokonzern will Partner des Projektes werden.

               Team Horyzn                                                                                                                                                                                                     Foto: Horyzn

Konkret hat sich bereits das Bayerische Rote Kreuz (BRK) an den Entwicklungsarbeiten beteiligt und unterstützt mit seiner Infrastruktur anstehende Simulationen sowie Tests unter Realbedingungen etwa mit dem Einsatz von Leitzentrale bis hin zu Rettungswagen. Für die Studenten bestätigt sich mit dem Interesse die These, dass der Einsatz eines unbemannten, elektrisch betriebenen und senkrecht startenden Flugobjekts als Lebensretter ein realistisches Szenario ist. 

„Wir sind derzeit in Gesprächen mit Volkswagen und bereiten eine Kooperation im Zusammenhang mit unserer Mission Pulse vor“, sagt Balázs Nagy, Student der Luft- und Raumfahrttechnik, Initiator sowie Leiter von Horyzn. Zum Zeitpunkt des Abschlusses einer Vereinbarung sagt er nichts; doch dürfte sie kurz bevorstehen. Das Interesse kommt aus den oberen Etagen der Konzernzentrale in Wolfsburg, deutet Nagy nur an, ohne Details zu nennen. Abwegig ist eine Verbindung zwischen Auto und Drohne nicht. Das Horyzn-Projekt enthält nämlich Elemente, die zum Konzept eines autonom fahrenden und komplett vernetzten Autos passen. Daran arbeiten der VW-Konzern und seine Marken wie VW, Audi, Skoda und Porsche. Zu Gesamtlösungen eines digitalen, später einmal selbständig fahrenden Fahrzeugs gehören schließlich auch Verkehrssicherheit sowie Hilfen im Notfall oder bei Unfällen.

                                                                                                                                                                                                                            Foto: Horyzn

Im April hat Horyzn den Plan vorgestellt, eine Drohne zu entwickeln, die lebensrettende Aufgaben übernimmt (siehe auch "Horyzn entwickelt die Defibrillator-Drohne" vom 15. Apirl). Die Idee der medizinischen Mission besteht darin, dass ein „eVTOL“ (electric Vertical Take-off and Landing) in fünf Minuten in einem Umkreis von 6 Kilometern zu einem Einsatzort fliegen soll, über ihm schwebt und einen Defibrillator herablässt. Gesteuert wird das unbemannte Luftfahrzeug von einem Piloten aus der Ferne. Der ein halbes Kilogramm schwere Defibrillator, wie man ihn oft an öffentlichen Plätzen oder in Supermärkten findet, ist nahezu von jedem zu bedienen und könnte einem Kranken mit Herzproblemen oder -infarkt helfen, noch bevor Sanitäter mit einem Rettungswagen eintreffen. Dessen Anfahrt dauere vom Notruf bis zum Eintreffen im Schnitt neun Minuten, sagt Nagy. „Verkürzt man die Zeit auf fünf Minuten, verdreifacht sich die Überlebenschance.“ 

Die Corona-Pandemie, die zu Lockdowns bis spät in das Frühjahr hinein verursachte, führten zwangsläufig zu Verzögerungen, wurde das Teamwork in den Werksräumen behindert. Der Prototyp wird gerade gebaut. "Frankenstein1" heißt er; nicht unbedingt sympathieerweckend, doch hat der Name historischen Wert. Denn das erste fliegende, noch recht rudimentäre Modell aus dem Herbst 2019 hieß "Frankenstein"; offenbar will man an einer Tradition festhalten. Parallel werden an kleineren Drohnen Subsysteme entwickelt und getestet, wie das Seilsystem, das den Defibrillator aus der Luft herablässt, oder ein Fallschirm, der die Drohne im Notfall sichern soll. Die Materialien werden von den Sponsoren aus der Industrie bereitgestellt. 

                                         Selfie mit MP Söder                                                                                             Foto: TUM/Fabian Vogel

Im Dezember soll "Frankenstein 1" Premiere haben. Der Rollout wird im Beisein von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erfolgen, der bereits seine Teilnahme zugesagt habe. Söder unterstützt derartige Initiativprojekte von Studentengruppen der Universitäten München – wie auch das von TUM Hyperloop, das vom Freistaat gefördert wird. Viermal hintereinander hatten die 35 Studenten mit ihrer Kabine (Pod) den internationalen Wettbewerb um das Tunnel-Transportsystem namens Hyperloop gewonnen. Elon Musk, Gründer von Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X, hat die Wettbewerbe ausgeschrieben. TUM Hyperloop ist gar Bestandteil von Söders Luft- und Raumfahrtprogramm Bavaria One geworden.

Nach der schon 2016 gegründeten Initiative TUM Hyperloop verbündeten sich andere Studenten im November 2019 zum Projekt Horyzn, die „Silencio Gamma“ als fertige Vorzeige-Drohne schufen. Mit einer Länge von 1,95 Meter und einer Spannweite von 3,60 Meter ist diese 13 Kilogramm leicht, da sie weitgehend aus Carbon besteht. Ausgestattet ist sie mit vier Vertikalrotoren und zwei Horizontalpropellern. Mission Pulse wird etwas größer und mit acht Vertikalrotoren sowie zwei Propellern für den Reiseflug ausgestattet sein. Statt 72 Kilometer in der Stunde Geschwindigkeit des ersten Modells und 50 Kilometer Reichweite wird die Defibrillator-Drohne gar bis zu 125 Kilometer schnell sein und soll eine Reichweite von etwa 15 Kilometern haben. 

Der Unterschied zu anderen Drohnenkonzepten besteht in der Trennung der Antriebe für den Senkrechtstart und den Reiseflug. In der Regel sind senkrechtstartende Drohnen mit drehbaren Antrieben ausgestattet, die wesentlich komplizierter und schwerer sind. Wenn alles nach Plan läuft, könnte für den Herbst 2022 die Fluggenehmigung für Mission Pulse erteilt werden, danach folgen erste simulierte Einsätze. Auch für andere Rettungsaufgaben ist ein solches Modell denkbar, wenn es beispielsweise um den Transport von Organen geht.

                                                                                                                                                                                         Foto: TUM/Fabian Vogel

Das Interesse für Horyzn wächst auch über VW und BRK hinaus. Der britische Triebwerkshersteller Rolls Royce ist neuer Sponsor, weitere sollen bald folgen, kündigt Nagy an. Zu den bisherigen Unterstützern gehören Camilo Dornier als einer der Erben der Flugzeugbauer-Dynastie, das Senkrechtstarter-Jet-Projekt Lilium, Drohnenentwickler Quantum Systems, der Sensor- und Radartechnikhersteller Hensoldt, der Triebwerksbauer MTU, das Gründernetzwerk UnternehmerTUM oder der Autovermieter Hertz.

Die Akquisition von Sponsoren ist ein Grund, warum sich die eine Studenteninitiative jetzt mit der anderen zusammengeschlossen hat, damit das Netzwerk an der TU München wächst und ein Stück professioneller wird: Horyzn hat sich TUM Hyperloop, die sich vor zwei Jahren als Verein Next Prototype gründete, angeschlossen und ist nun Teil dieses Vereins geworden. Die Interessen sind gleichgerichtet, weshalb in vielen Bereichen Verbundvorteile (Synergien) genutzt werden können und ein gemeinsames Handeln erleichtert. Die Finanzierung wird so gebündelt; zumal die Sponsoren beider durchaus ähnliche Interessen verfolgen, wie die Hyperloop-Unterstützer Airbus, Infineon, Siemens, Panasonic zeigen.

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