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09 Mar
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Sie wollte als Diplomatin bei den Vereinten Nationen die von der Klimakrise bedrohte Welt ein bisschen retten. Doch das klappte nicht. Theresa Hauck besann sich auf ihre Interessen für Geldanlagen, die sie in jungen Jahren etwa mit Aktien- und Bitcoin-Investments entdeckte. Vergangenes Jahr gründete sie Econos, eine digitale Investmentplattform für nachhaltige Anlagen „mit echtem Impact“. Alexander Samwer ist wieder dabei, der über sein grünes Öko-Universum Pelion als alleiniger Investor auftritt.

9. März 2022 - Von Rüdiger Köhn, München

Theresa Hauck gibt sich keinen Illusionen hin. Der Mensch mag moralische Ziele haben. Doch hat Geldanlegen zu auskömmlichen Renditen immer noch Vorrang vor dem Drang, die Welt mit grünen Investments zu verbessern. Hauck aber ist überzeugt: „Heutzutage kann auch Kapital für umweltfreundliche Investitionen eingesammelt werden, die die gleichen Renditen anderer Anlageklassen bieten“, sagt die 27 Jahre alte Gründerin von Econos. „Mit diesem Ziel und mit diesem Anspruch gehen wir an unser Vorhaben heran.“  Zusammen mit Michael Krause, 37 Jahre und erfahrener Start-Upler, hat sie im Mai 2021 das Fintech aus München gegründet - ein „digitaler grüner Asset Manager“.

Was Econos auf den Weg bringt, geht weit über das hinaus, was mit „ESG“ zum großen Trend geworden ist: Environmental, Social and Corporate Governance - vereinfacht auf deutsch „Umwelt, Soziales und Unternehmensführung“ genannt. Immer mehr Unternehmen verschaffen sich ein ESG-Rating, um somit als ökologisch verantwortlich zu gelten und umweltorientiertes, nachhaltiges Anlagekapital von Investoren anzuziehen. Immer mehr von ihnen vergrünen ihr Anlageverhalten, meist weil es en vogue ist, nicht selten aber auch, weil sich Wachtumspotentiale eröffnen. „ESG ist wichtig“, sagt Hauck, die das aber durchaus kritisch und nicht selten auch als halbherzig betrachtet. „Wir müssen aber größer denken, denn die Welt braucht bis zum Jahr 2050 mehr als 40 Billionen Euro Investitionen in grüne Technologien, insbesondere in erneuerbare Energien.“

                    Theresa Hauck                         Foto Econos

Hauck ist kompromisslos und rigoros. So ist die das Konzept von Econos ausgelegt. Das angebotene Portfolio betrifft Anlageinivestitionen, die tatsächlich und unmittelbar positive Folgen für die Umwelt bringen. Es geht um die Finanzierung von Solarprojekten und Batteriespeichern, um Engagements in ökologisch gerecht bewirtschaftete Waldflächen, um Risikokapital für junge Greentech-Unternehmen. Die Entschlossenheit geht einher mit dem Ansatz, Anlageklassen für Privatanleger zu erschließen, die ihnen eigentlichen verschlossen bleiben und professionellen, institutionellen Investoren vorbehalten sind. Statt von Fondsgesellschaften dargereichte Massen-ETFs (Exchange Trade Funds) zu kaufen, kann ein Sparer über die digitale Investmentplattform in Wald (Laufzeit 10 Jahre, anvisierte Rendite 2 bis 4 Prozent), in Venture Capital für Unternehmen im Bereich Klimaschutz, Biodiversität, Abfallreduktion oder Ressourcen-Einsparung (10 Jahre, mehr als 10 Prozent Zielrendite) oder in Windkraft- und Solarprojekte (2 Jahre, etwa 6 Prozent) investieren. So können Kleinanleger digitale Wertpapiere ab 1000 Euro für einen Wald in Sachsen-Anhalt erwerben. Wobei: Die in Aussicht gestellten beachtlichen Renditen sind natürlich nicht garantiert; damit keine Missverständnisse aufkommen. Ohne Risiko sind solche Anlagen nicht, mag der Wald auch gegen Feuer, aber nicht gegen Käferbefall versichert sein.

Investments zwischen 5000 und 25.000 Euro

Seit dem im Herbst 2021 eingeführten, noch überschaubaren, aber wachsenden Portfolio habe sich bereits eine „stattliche dreistellige Zahl von Investoren“ engagiert. In der Regel belaufen sich die Anlagevolumen auf 5000 bis 25.000 Euro. Der typische, durchschnittliche Econos-Anleger - „leider vorrangig männlich“ (Hauck), im Alter zwischen 25 und 50 Jahren - gehe Investments im Wert von mehr als 10.000 Euro ein. Die Motivation sei unterschiedlich. Die einen wollten etwas Gutes tun und echte Nachhaltigkeit in ihrem Portfolio etablieren. Andere betrachteten die Anlagen als rein finanzielle Engagement, verbunden mit dem positiven Effekt, nachhaltig zu agieren. Und es gebe Geldgeber, die einfach nur ihr Portfolio diversifizieren wollten; wenn es zum Beispiel darum geht, auch einen Teil in Risikokapital und junge Unternehmen mit höherer Verzinsung zu investieren. Schließlich, sagt Hauck, entwickele sich Climate Tech zu einem der größten Wachstumsmärkte der Zukunft. Das sei normalerweise eine für Private nicht zugängliche Anlageklasse. Allerdings erfolgt eine solche Beteiligung nicht direkt, sondern über Fonds wie dem World Fund (Investments in Unternehmen mit Fokus auf CO2-Reduktion, Laufzeit 10 Jahre, Zielrendite über 10 Prozent) oder den Planet A Ventures (Klimaschutz, Biodiversität, 10 Jahre, mindestens 10 Prozent).

     Alexander Samwer (links) und Jeremias Heinrich                                   Foto Arvantis

Econos ist Bestandteil des grünen Universums von Alexander Samwer; einer der Samwer-Brüder, die die Beteiligungsgesellschaft und den Start-Up-Brüter Rocket Internet gegründet haben. Während Marc und Oliver Samwer ihr Ding weiter machen, hat sich Alexander Samwer aus Rocket zurückgezogen. Er entschloss sich, ein neues Ökosystem von Jungunternehmen aufzubauen und gründete mit dem Tech-Investor Jeremias Heinrich 2018 die Arvantis Group. Neben Immobilien (Creanos) umfasst die Investmentholding Venture-Capital-Aktivitäten (Picus Capital) und den Bereich Erneuerbare Energien sowie Climate Tech, der unter dem Dach der Pelion Green Future gebündelt ist. Nachhaltige Technologien für die Energieerzeugung sollen als Vehikel gegen die Klimakrise entwickelt werden. Zu Pelion gehört etwa die börsennotierte Pacifico Renewables Yield AG, die in Wind- sowie Solarparks in kleinen bis mittleren Dimensionen investiert und betreibt, basierend auf dem Konzept regionaler Energieversorgung (siehe auch "Pacifico Renewables: Alexander Samwers Vehikel für die dezentrale Energiewende" vom 8. November 2021).

So wundert es nicht, dass Pacifico auch einer der Partner von Econos ist. Ebenso wenig überraschen mag, dass Theresa Hauck mit Hilfe von Jeremias Heinrich zu ihrer Gründungsidee gekommen ist. Begeisterung für Geldanlagen, Engagement im Klimaschutz, ein Netzwerk von Freunden aus der Gründerszene und die Enttäuschung über eine gescheiterte Mission auf diplomatischer Ebene führten vor knapp einem Jahr dazu, dass Econos gegründet worden ist. So richtig kann sie in dieser Mixtur das genaue Entstehen gar nicht rekonstruieren, weil das Start-Up Ergebnis einer Fülle von Gesprächen und Kontakten ist; eben auch mit Jeremias Heinrich, den sie durch ihr damaligen Netzwerk kennengelernt hatte. Er war es, der sie mit Michael Krause zusammenbrachte. „Wir kannten uns nicht, wurden uns vorgestellt, hatten ähnliche Ambitionen und Visionen, es passten die Wertvorstellungen auch auf persönlicher Ebene“, erinnert sie sich und lacht. 

                                             Michael Krause                              Fotos Econos

Dabei gab es zunächst gar nicht das konkrete Ansinnen, ein Unternehmen zu gründen. Doch je mehr die beiden darüber sprachen und sinnierten, um so mehr erkannten sie, dass sie sich ergänzen und harmonieren. Das Projekt Econos kristallisierte sich heraus. „Wir sind nicht strategisch vorgegangen“, sagt sie. „Es hat sich einfach so ergeben und entwickelt.“ Pelion ist der einzige Investor. Für Hauck ist das eine bessere Option, als mehre Geldgeber aufzunehmen. Pelion habe mit Zugang zu wichtigen Experten viele Türen geöffnet. Zum Zeitpunkt der Gründung machte Hauck in ihrem alten Job als Unternehmensberaterin von Boston Consulting Group (BCG) weiter, wo sie zweieinhalb Jahre bis August 2021 gearbeitet hatte. Einst verfolgte sie andere, hehre Ziele. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und der Internationalen Beziehungen an der Universität Bamberg sowie einem Aufenthalt an der London School of Economics wollte die damals 23-Jährige in der internationalen Diplomatie Fuß fassen. „Mein großer Wunsch ist es immer gewesen, an den großen Hebeln der Welt zu arbeiten und etwas zu bewirken, vor allem im Klimaschutz.“

Von der UN über BCG zu Econos

Immer wieder nimmt Hauck den Begriff „Impact“ in den Mund; sei es in der Arbeit bei den Vereinten Nationen, wo sie im Herbst 2018 begann, sei es nun bei Finanzierungen von Investitionen durch Econos. Ihr geht es darum, dass sich wirklich durch ihr Handeln etwas für die Umwelt zum Positiven wenden muss. Damals sah sie in einer internationalen Organisation wie die UN den besten Ort, um das zu erreichen. Doch die Ernüchterung war groß; gerade einmal ein halbes Jahr machte sie beim Carlo Schmid Fellowship der Vereinten Nationen mit.. „Ich habe gemerkt, das Diplomatie eben nicht der größte Hebel ist und am Ende des Tages nun einmal Geld die Welt regiert.“ Zugleich merkte sie, dass es gerade Investments seien, die den Anfang von Veränderungen in der Welt bedeuteten. So habe sie sich sukzessive dem Thema genähert. Bei BCG kümmerte sie sich um Strategie- und Finanzierungsthemen. Sie merkte zudem, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Finanzwelt nicht mehr allein „Sache von Philanthropen" sei, die gerne auf ein paar Prozentpunkte Rendite verzichteten, um Gutes zu tun. 

                         Wald-Anlage für 1000 Euro Mindesteinsatz

Auf einmal hätten kapitale Schwergewichte wie Larry Fink, Vorstandschef der weltgrößten Investmentgesellschaft Black Rock, oder Amazon-Chef Jeff Bezos „Statements rausgehauen“, in denen sie sich zu ökologisch gerechten finanziellen Interessen, Engagements und Verhalten bekannten. „Nachhaltige Investitionen haben gerade eine Chance, richtig groß zu werden“, fühlt sich Hauck im Aufwind. „Der Markt ist da, sind solche Investitionen auch finanziell attraktiv darzustellen.“ Anfang 2021 wurde die Idee einer digitalen Plattform für Investments in echte Nachhaltigkeit in ihren Gesprächen mit Michael Krause greifbar. Auch er ist Unternehmensberater gewesen, arbeitete neun Jahre bei McKinsey, nachdem er an der TU München Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre studiert hatte. „Er hat die Erfahrung der Unternehmensgründung mitgebracht“, sagt Hauck. Krause hatte 2007 zusammen mit Studenten der TU München Napcab gegründet. Sie haben eine dreieinhalb Quadratmeter große Schlafkabine für Flughäfen entwickelt, in denen sich Reisende während Zwischenaufenthalten ausruhen können.

Während der Arbeit bei BCG ist Hauck das Greenwashing von Unternehmen bewusst geworden. Mitunter würden vermeintlich gutmeinende Maßnahmen keinen tatsächlich positiven Einfluss auf die Umwelt haben. Das fiel ihr bei einer Transaktion aus, in der ein Bergbauunternehmen sein Portfolio nachhaltiger aufstellen und eine Kohlemine abstoßen wollte. Der Verkäufer habe sich im ESG-Rating zwar verbessert. Was aber nütze es der Umwelt, wenn der Kohlebergbau an einen privaten Investor gehe, der ihn fernab der Öffentlichkeit womöglch mit geringeren Umweltschutzmaßnahmen und mit schädlichen Effekten weiter betreibe. „Wir suchen Anlagemöglichkeiten aus, die weder auf der Impact-Seite noch auf der Investment-Seite in Sachen Rendite Abstriche machen.“ Da gebe es noch viel mehr Potential.

                    Solarprojekte als Nachhaltigkeitsanlage

Erworben werden können die Anlagen nur digital als Krypto-Wertpapier. Econos bedient sich einem in der Finanzbranche noch neuen, aber sehr dynamisch wachsenden Trend: Vermögenswerte werden digitalisiert über Token erworben, dem eine Funktion und ein Wert zugeordnet wird. Ist die Rede von Tokenisierung, handelt es sich um die digitale Abbildung dieses Vermögenswertes einschließlich der enthaltenen Rechte und Pflichten sowie der damit verbundenen Möglichkeit, ihn zu übertragen. Das heißt, Token als Wertpapiere eigener Art sind am Finanzmarkt über die Tokenisierung handelbar. „Wir sind Assetmanager, also Vermögensverwalter“, sagt Hauck. „Wir sind kein Tokenisierungsunternehmen, Software ist nicht unser Metier.“ Econos bediene sich unterschiedlicher Technologien, die smart eingebunden würden. Im eigenen Haus werden ein Anlageprodukt entwickelt, strukturiert und aufgesetzt. Econos übernimmt den digitalen Vertrieb und betreibt die Plattform für die Anleger. Auf der technischen Seite arbeitet es in der digitalen Verbreitung oder Verwahrung mit Software-Partnern wie Cashlink, mit Lionware (digitale Vertragsabschlüsse) und Tangany (Blockchain-Depot). „Ein Deep-Tech mit dem Bau einer eigenen IT-Infrastruktur sind wir wahrlich nicht.“

Viel Vertrauensvorschuss ist gefragt, wenn es um Geldanlagen geht, die ja erst einmal ihren Erfolg unterlegen müssen und tatsächlich in Aussicht gestellte, für heutige Verhältnisse üppige Renditen abliefern. „Unabhängig davon, ob es um Kapitalanlagen geht oder um andere junge Unternehmen“, sagt Hauck, „alle erhalten einen Vertrauensvorschuss und müssen sich erst beweisen.“ Sie verweist da als wichtige Fortschritte auf die Partner, die Econos bereits auf der Investmentseite mit großen Fonds oder auf der Software-Ebene gefunden hat. Eine Banklizenz und eine Zulassung durch die Finanzaufsicht Bafin hat das junge Unternehmen nicht. Es ist unter das Haftungsdach der Effecta geschlüpft; ein Dienstleister in der Finanzwirtschaft mit deutscher Banklizenz. So sind die technischen wie aufsichtsrechtlichen Bedingungen erfüllt. Und auf noch eine Referenz verweist die Gründerin: die Bundeswaldprämie. Das entwickelte nachhaltige Bewirtschaftskonzept wurde vom Staat zertifiziert, wofür es vergangenes Jahr Geld gegeben hat. „Damit haben wir einen ersten Baustein für die Rendite geschaffen, ist unser Konzept damit bestätigt worden.“

Tokenisierung als Chance für den Kapitalmarkt

Geduld ist Teil des Econos-Konzeptes, so wie nun einmal der langfristige Anlagehorizont mitunter über mehr als zehn Jahre reicht. „Unser Ziel ist es nicht, in drei Jahren ein großes Tech-Unternehmen hochzuziehen“, sagt Hauck. Der grüne Asset Manager aus München tastet sich weiter vor. Es geht darum, das Portfolio zu erweitern. Neue Klassen sollen hinzu kommen, Investments in Ackerland zum Beispiel. Genauso stellt sich Hauck vor, grüne Infrastrukturen aufzunehmen und stärker in Private Equity für Climate Tech zu gehen. Neue Kundengruppen könnten erschlossen werden, nicht nur im privaten Bereich, sondern auch unter professionellen Anlegern. Und natürlich muss irgendwann ein Zweitmarkt aufgebaut sein, um die angebotenen digitalen Wertpapiere handelbar zu machen. Das würde dem Vertrieb der Econos-Produkte einen zusätzlichen Schub geben. An ein Bulletin-Board denkt sie, eine digitale Pinwand im Internet, oder an eine virtuelle Auktion. Gerade in der Welt der Tokenisierung, sagt Theresa Hauck, gebe es so viele neue Möglichkeiten, um sich im Zweitmarkt zu positionieren. Sie ist überzeugt, dass in Zukunft einmal mehr Geld dort hinein fließen wird als im klassischen, öffentlichen Kapitalmarkt.

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